Atemwegserkrankungen aus Sicht der chinesischen Medizin – Ernährung & Hausmittel

Atemwegserkrankungen, die mit Schwäche, Schleim und Trockenheit einhergehen, lassen sich gezielt ernährungstherapeutisch beeinflussen. An die Art und Phase der Erkrankung angepasste diätetische Strategien und Hausmittel der chinesischen Medizin tragen dazu bei, die Abwehrkräfte (Wei-Qi) zu stärken, die Atemwegsbeschwerden und danach andauernde körperliche Schwäche zu lindern.

Auf der Basis der Musterdifferenzierung der chinesischen Medizin ausgewählte Hausmittel wie Kraftbrühen, Essenzen und Heilpilze können in allen Phasen von der Prävention über die Therapie bis zur Rekonvaleszenz eingesetzt werden. Im Folgenden werden Strategien und Hausmittel für akute und chronische Formen von Husten/Bronchitis, Dyspnoe und COPD vorgestellt. Beim Vorliegen entsprechender Symptome und TCM-Muster kann ein flankierender Einsatz zur Prävention oder in der Rekonvaleszenz von COVID-19 erfolgen.

Atemwegserkrankungen aus Sicht chinesischer Medizin

Am Beginn von akuten  Atwemwegserkankungen steht häufig eine Schwäche des Abwehr-(wei-)Qi in Relation zu einem starken pathogenen Faktor (xie-qi). Das Abwehr-Qi speist sich aus allen drei Erwärmern, der Essenz (jing) aus dem unteren, dem Nahrungs-(gu-)Qi aus dem mittleren, der obere Erwärmer verteilt es an der Körperoberfläche. Wenn es nicht stark genug ist, um äußere pathogene Faktoren wie Wind, Kälte, Hitze, Feuchtigkeit oder Trockenheit abzuwehren, entstehen Außen-Fülle-Muster wie z. B. Erkältungen.

Gelingt es dem Abwehr-Qi nicht, pathogene Faktoren in der äußersten Schicht abzufangen, dringen diese Faktoren, wie z. B. Hitze oder Feuchtigkeit, in tiefere Schichten vor und können sich dort mit inneren Mustern verbinden. So kann fortschreitend aus einem Wind-Kälte-Zustand ein Husten mit weißem Schleim entstehen, der die Lunge blockiert. Die oberflächliche, äußere Erkrankung hat sich zur inneren fortentwickelt. Diese kann nicht mehr über die Hautporen nach außen ausgeleitet werden und kann bei weiterem Eindringen in einen Hitzezustand mit Fieber umschlagen und Körpersäfte verbrauchen [8], [9].

Eine Schwäche der Körpersubstanzen Qi, Körpersäfte (jin ye), Blut (xue), Essenz (jing), des Yin oder des Yang, durch hohes Lebensalter oder durch chronische Erkrankungen begünstigt einen schweren Verlauf oder die Chronifizierung von Atemwegserkrankungen.

Schleim (tan) kompliziert Atemwegserkrankungen, da er die Funktionen des mittleren und oberen Erwärmers beeinträchtigt. Dadurch wird unter anderem weniger Atem- und Nahrungs-Qi gebildet und Teufelskreise von sich verstärkenden Symptomen entstehen.

Bei der Überwindung einer fieberhaften Atemwegserkrankung können durch den Verbrauch von Körpersäften, speziell Lungen-Yin, trockener Reizhusten und/oder durch Schwächung des Lungen-Qi eine Dyspnoe fortbestehen. Mangel an Lungen- und Milz-Qi begünstigt körperliches Schwächegefühl, Dyspnoe sowie trübe Feuchtigkeit und Schleim in Form von Auswurf, weichem Stuhl und Übelkeit. Kombinationen mit Hitze und Kälte sind möglich.

Bei Atemwegserkrankungen ermöglicht die Diagnostik der chinesischen Medizin, die Erkrankungsphasen und Disharmoniemuster individuell zu bestimmen und diätetische Hausmittel wie Kraftbrühen, Essenzen und Heilpilze auszuwählen.

Ernährungstherapie bei Atemwegserkrankungen nach chinesischer Medizin

Die Strategien und Werkzeuge der Diätetik der chinesischen Medizin ermöglichen, bei Atemwegserkrankungen je nach Phase

  1. präventiv das Abwehr-Qi und die Körpersubstanzen zu nähren,

  2. frühzeitig das Eindringen pathogener Faktoren in tiefere Schichten zu verhindern,

  3. bei fortschreitendem Infekt Schleim oder Säftemangel in tieferen Schichten entsprechend der TCM-Muster zu lindern sowie

  4. in der Rekonvaleszenz Körpersubstanzen und Abwehr-Qi wieder aufzubauen.

Die Diätetik der chinesischen Medizin umfasst zwei Bereiche: die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, z. B. Umstellung von die TCM-Disharmonie verstärkenden Ernährungsgewohnheiten auf lindernde, sowie der zeitlich begrenzte Einsatz von Hausmitteln. Dies sind nach Grundsätzen der chinesischen Arzneimitteltherapie zusammengesetzte Brühen, Porridges, Toppings aus Nüssen und Trockenfrüchten, pflanzliche Säfte oder Tees (Essenzen).

Als Hausmittel für diese umfassende Stärkung eignet sich Rinderkraftbrühe mit Markknochen (Rezept s. Kasten) sowie der Reishi-Pilz , bei Nieren-Qi oder -Yang-Schwäche auch der Cordyceps-Pilz.

Quelle: Zeitschrift für Komplementärmedizin 2022; 14(01): 46-52
DOI: 10.1055/a-1745-5954

Verena Bastian

Verena Bastian

Verena Bastian ist staatliche geprüfte Heilpraktikerin seit 2014. Davor studierte Sie Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach mehrere Jahre in der Finanzabteilung eines großen Baustoffkonzerns. Durch eine Autoimmunerkrankung im Familienkreis kam sie mit 2008 zur Naturheilkunde und ist seit 2014 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Ihre Praxisschwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie von immunologischen Erkrankungen, Frauenheilkunde, Präventionsmedizin und Traumaintegration.

Eine intensive Ausbildungszeit und der ständige Drang nach Weiterbildung haben ihren Weg bis hierhin begleitet. Viele Seminare, Weiterbildungen und wundervolle Lehrer:innen ebneten den Weg für eine eigene Praxis.

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