EBV Epstein-Barr-Virus – Ursache für Multiple Sklerose

Eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) scheint die Hauptursache für die Ausbildung einer multiplen Sklerose (MS) zu sein. Dieser Zusammenhang wurde nun in einer umfassenden Studie bestätigt, die am 13.01.2022 im Fachmagazin „Science“ erschienen ist (siehe Primärquelle).

Die US-amerikanischen Studienautoren analysierten hierfür Blutproben von über zehn Millionen Militärangestellten, die in ihrer Berufslaufbahn jährlich mit einer Blutentnahme routinemäßig auf HIV getestet werden. Sie identifizierten 801 Personen mit multipler Sklerose und untersuchten deren Blutproben auf Antikörper gegen EBV, welches das Pfeiffersche Drüsenfieber verursachen kann. Bei 35 Personen mit MS konnten keine Antikörper gegen EBV nachgewiesen werden – sie waren zum Zeitpunkt der ersten Blutprobe also noch nicht mit EBV infiziert und daher seronegativ. Vor dem Ausbruch der multiplen Sklerose infizierten sich allerdings 34 der 35 Personen mit dem Virus und entwickelten auch Antikörper gegen EBV. Die EBV-Seropositivität war zum Zeitpunkt der MS-Entwicklung nahezu allgegenwärtig, nur einer der 801 MS-Fälle war zum Zeitpunkt des Ausbruchs EBV-seronegativ.

Die Studienautoren konnten anhand der Blutproben auch zeigen, dass bei den Personen, die ursprünglich EBV-negativ waren, anfänglich auch keine Biomarker für MS nachweisbar waren, diese dann aber in Blutproben nach der EBV-Infektion aber noch vor Einsetzen von MS-Symptomen detektierbar wurden.

Der Mechanismus hinter einer Ausbildung von MS im Zusammenhang mit einer EBV-Infektion ist noch nicht geklärt (siehe hierzu auch ein parallel zur Studie veröffentlichtes Perspective, [I]). Mehr als 90 Prozent der Menschen infizieren sich in ihrem Leben mit EBV, aber nur wenige erkranken nachfolgend an MS, obwohl das Virus bei allen Menschen lebenslang im Körper verbleibt. Bei MS-Patienten spielen nachweislich aber auch noch andere Parameter wie genetische Faktoren eine Rolle, die im Zusammenspiel mit der EBV-Infektion zu MS führen [II] [III].

Ein direkter Zusammenhang einer EBV-Infektion mit MS ermöglicht nun Perspektiven, MS zu therapieren beziehungsweise zu verhindern, indem man eine EBV-Infektion möglichst früh mit antiviralen Medikamenten therapiert oder durch eine eventuelle Impfung abwendet. Inwiefern diese Optionen realistisch und umsetzbar sind, erläutern nachstehend Fachleute, die das SMC um eine Einschätzung der Studie gebeten hat.

Primärquelle

Bjornevik K et al. (2022): Longitudinal analysis reveals high prevalence of Epstein-Barr virus associated with multiple sclerosis. Science. DOI: 10.1126/science.abj8222.

Literaturstellen, die vom SMC zitiert wurden

[I] Robinson WH et al. (2021): Epstein-Barr virus and multiple sclerosis. Science. DOI: 10.1126/science.abm7930.

[II] Ascherio A et al. (2007): Environmental risk factors for multiple sclerosis. Part I: The role of infection. Annals of Neurology. DOI:10.1002/ana.21117.

[III] Martin R et al. (2021): Multiple sclerosis: doubling down on MHC. Trends in Genetics. DOI: 10.1016/j.tig.2021.04.012.

[IV] Moreno MA et al. (2018): Molecular signature of Epstein-Barr virus infection in MS brain lesions. Neurology, Neuroimmunology and Neuroinflammation. DOI:10.1212/NXI.0000000000000466.

Verena Bastian

Verena Bastian

Verena Bastian ist staatliche geprüfte Heilpraktikerin seit 2014. Davor studierte Sie Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach mehrere Jahre in der Finanzabteilung eines großen Baustoffkonzerns. Durch eine Autoimmunerkrankung im Familienkreis kam sie mit 2008 zur Naturheilkunde und ist seit 2014 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Ihre Praxisschwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie von immunologischen Erkrankungen, Frauenheilkunde, Präventionsmedizin und Traumaintegration.

Eine intensive Ausbildungszeit und der ständige Drang nach Weiterbildung haben ihren Weg bis hierhin begleitet. Viele Seminare, Weiterbildungen und wundervolle Lehrer:innen ebneten den Weg für eine eigene Praxis.

Sie lädt die Menschen dazu ein sich beim Thema Gesundheit in Richtung Eigenverantwortlichkeit zu orientieren. Seit mittlerweile über 7 Jahren unterstützt Sie Menschen dabei die Gründe und Zusammenhänge Ihrer Erkrankung mit dem Wissen aus klassischer Medizin und Naturheilkunde zu verstehen.

Inhalt

im Fokus

Weitere Beiträge

Posttraumatische Belastungsstörung

Die WHO listet eine neue, ergänzte Diagnose für komplexe Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). Ein internationales Team mit Beteiligung der Universität Zürich hat die genauen Symptome der