chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) & Stress

Warum dauerhafter Stress chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) verschlechtert.

Anhaltender Stress zieht auch den Darm in Mitleidenschaft. Insbesondere bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) ist bekannt, dass psychische Belastungen zu akuten Krankheitsschüben führen können. Die molekularen Mechanismen dahinter sind bisher jedoch unzureichend erforscht. Ein Wissenschaftlerteam konnte nun wichtige Erkenntnisse darüber beitragen, welche zellulären und biochemischen Vorgänge der Verbindung zwischen Psyche und Darm zugrundeliegen.

Unter Stress produziert der Körper verschiedene Hormone, die ihm helfen sollen, mit einer akuten Belastungssituation fertig zu werden. Kurzfristig steigert dieser Hormonschub tatsächlich die Leistungsfähigkeit, zündet Energiereserven und regt den Kreislauf an. Langfristig jedoch kann er zum gesundheitlichen Problem werden. Unter Dauerstress sind es speziell die in der Nebennierenrinde produzierten Glucocorticoide, die Entzündungsreaktionen im Darm eskalieren lassen. Das zeigten die Wissenschaftler*innen in Versuchen an Mäusen.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) -Glucocorticoide wirken auf die Zellen des Darmnervensystem

Dabei wirken die Glucocorticoide offenbar nicht direkt auf die Entzündungszellen des Darms. Als erste Anlaufstelle und wichtigste Vermittlungsinstanz konnten die Forschenden vielmehr das sogenannte Enterische Nervensystem (ENS) identifizieren. Das ENS bildet ein dichtes Geflecht, das die Darmwand durchzieht und aufgrund seiner komplexen Organisation zuweilen als „Bauchhirn“ bezeichnet wird. Unter Glucocorticoid-Einfluss, so zeigte die Untersuchung, kam es zu deutlichen Veränderungen dieses komplexen Gefüges. Davon waren sowohl die Stütz- und Hilfszellen (Gliazellen) des ENS betroffen, als auch die enterischen Nervenzellen selbst. Wie Schneider in aufwändigen Versuchen zeigen konnte, bildete sich unter Dauerstress eine Subgruppe von Gliazellen heraus, die den Immunbotenstoff CSF1 produziert und so zu einer Aktivierung von Entzündungszellen beitrug. CSF1 aktiviert außerdem Monozyten, also Blutzellen des Immunsystems, was die Entzündungsreaktion noch verstärkt – dieser Prozess fehlgeleiteter Entzündungen ist bereits bekannt als zugrundliegende Ursache einer Vielzahl anderer Erkrankungen.

Die enterischen Nervenzellen dagegen wurden durch die Glucocorticoide in einen Zustand der Unreife versetzt, der mit einem Mangel des Botenstoffes Acetylcholin und einer Störung der Darmmotilität, also der Bewegungsfähigkeit des Darms, einherging. Durch diese beiden Vorgänge lassen sich Entzündungsschübe und Darmbeschwerden bei einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung erklären.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) & Relevanz psychischer Gesundheit

Für die publizierte Arbeit erhielt der Erstautor Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Kai Markus Schneide, der an der Uniklinik der RWTH Aachen tätig ist, den diesjährigen Theodor-Frerichs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM). Der wichtigste Wissenschaftspreis der Fachgesellschaft ist mit einem Preisgeld von 30.000 Euro dotiert.

„Die prämierte Arbeit befasst sich mit einem häufigen Krankheitsbild und einer medizinisch äußerst relevanten Fragestellung“, sagt Professor Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM. Mithilfe moderner biochemischer Methoden sei es Schneider und den Koautoren gelungen, den kausalen Zusammenhang zwischen psychologischem Stress, Darmentzündungen und Darmmotilität zu verstehen, und an drei unterschiedlichen CED-Patientenkohorten zu bestätigen. „Von besonderem Interesse ist dabei, dass die beschriebenen Wechselwirkungen an langfristig erhöhte Glucocorticoidlevel gekoppelt ist“, so Ertl. Immerhin wirkten diese Substanzen, wie etwa Cortison, kurzfristig entzündungshemmend und werden daher auch in der Therapie der CED eingesetzt. Die Erkenntnisse, die in Studien an Patientinnen und Patienten weiter bestätigt werden müssen, seien ein wichtiger Beitrag für die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und unterstrichen die Relevanz psychischer Gesundheit in der ganzheitlichen Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen, befand die Jury des Frerichs-Preises.

Originalpublikation

Schneider KM, Blank N, Alvarez Yet al. The enteric nervous system relays psychological stress to intestinal inflammation, Cell 2023; 186 (13): 2823-2838.e20, https://doi.org/10.1016/j.cell.2023.05.001.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)

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Verena Bastian

Verena Bastian ist staatliche geprüfte Heilpraktikerin seit 2014. Davor studierte Sie Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach mehrere Jahre in der Finanzabteilung eines großen Baustoffkonzerns. Durch eine Autoimmunerkrankung im Familienkreis kam sie 2008 zur Naturheilkunde und ist seit 2014 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Ihre Praxisschwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie von immunologischen Erkrankungen, Frauenheilkunde, Präventionsmedizin und Traumaintegration.

Eine intensive Ausbildungszeit und der ständige Drang nach Weiterbildung haben ihren Weg bis hierhin begleitet. Viele Seminare, Weiterbildungen und wundervolle Lehrer:innen ebneten den Weg für eine eigene Praxis.

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