Akupunktur & Massage bei krebsbedingten Schmerzen

Akupunktur und Massage als nicht-medikamentöse Verfahren werden in der aktuellen Studie  miteinander vergleicht.

Ausgangs- und Forschungslage zu tumorbedingten Schmerzen

Bis zu zwei Drittel der Menschen mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung leiden an tumorbedingten Schmerzen. Dieser Schmerz, oft einhergehend mit Fatigue und Schlafstörungen, beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen zusätzlich und stellt eine Herausforderung für die Therapie dar.

Üblicherweise werden Analgetika zur Schmerzlinderung eingesetzt. Opioide u.ä. sind zwar wirksam, allerdings durch mögliche Neben- und Wechselwirkungen auch nicht unproblematisch. Nicht-medikamentöse Verfahren sind daher wertvoll, was eine 2022 von der American Society of Clinical Oncology und der Society for Integrative Oncology herausgegebene Leitlinie unterstreicht:

Akupunktur und Massage im Schmerzmanagement bedenken.

Aus früheren Studien gibt es bereits Hinweise, dass Akupunktur krebsbedingte Schmerzen langfristig lindern kann, allerdings kaum mit Augenmerk auf ein fortgeschrittenes Stadium.

Die Massage hat sich als kurzfristig schmerzlindernd erwiesen, Daten zu einer Langzeitwirkung sind jedoch lückenhaft und ein Vergleich der beiden Verfahren steht ebenfalls aus. Genau dort setzt die vorliegende Arbeit an.

Insgesamt 298 ProbandInnen (200 Frauen, 98 Männer; Durchschnittsalter 58,7 Jahre) mit der Diagnose einer fortgeschrittenen Krebserkrankung und einer Lebenserwartung von mindestens sechs Monaten wurden in die Studie eingeschlossen. 78,5% der PatientInnen hatten einen soliden Tumor, die häufigsten Krebsarten waren Blutkrebs (21,5%), Brustkrebs (19,8%), Krebs im gynäkologischen (14,4%) und im Magen-Darm-Bereich (11,7%). Die Diagnose lag im Mittel 5,6 Jahre zurück. Die höchste mittlere Schmerzintensität betrug 6,9 auf der Brief Pain Inventory-Skala (BPI) von 0-10, wobei der Schmerz im Mittel bereits 3,8 Jahre andauerte.

Die PatientInnen wurden zufällig zwei Gruppen zugeordnet. In der Akupunktur-Gruppe wurden zwischen 10 und 20 Nadeln in dem Bereich mit den meisten Schmerzen sowie an ergänzenden Punkten gesetzt und teilweise elektrisch stimuliert. Die Sitzungen dauerten jeweils 30 min., wobei die Nadeln 20 min. im Körper verblieben. In der Massage-Gruppe dauerten die Sitzungen insgesamt ebenfalls 30 min., begannen jeweils mit Zwerchfellatmungsübungen, Rippenmobilisierung und Lockerungen im Bereich des Hinterkopfes, um den Tonus des Parasympathikus zu erhöhen. Anschließend folgte für 20 min. eine Massage im Bereich des Schmerzes, gefolgt von einer Streichung in Herzrichtung. Die Teilnehmenden erhielten für eine Dauer von bis zu zehn Wochen einmal wöchentlich ihre entsprechende Sitzung, anschließend jeweils einmal im Monat eine Auffrischungssitzung. Die Beobachtungszeit betrug 26 Wochen.

Ergebnis

Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden zeigte noch nach 26 Wochen eine klinische Reaktion auf die jeweilige Behandlung: Im Vergleich zu Studienbeginn hatte sich die Schmerzintensität in der Akupunktur-Gruppe im Mittel um -2,53 Punkte auf der BPI-Skala verringert, in der Massage-Gruppe um -3,01 Punkte. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war damit nicht signifikant, sodass beide Verfahren gleichermaßen für das Schmerzmanagement relevant erscheinen. Dieser Schluss spiegelt sich auch darin wider, dass sowohl Akupunktur als auch Massage schmerzbedingte Funktionsstörungen, Fatigue und Schlaflosigkeit linderten sowie die körperbezogene Lebensqualität erhöhten. Der Anteil der ProbandInnen, die Analgetika einnahmen, war von 54,7% zu Studienbeginn auf nur noch 27,5% in der Akupunktur- und 35,6% in der Massage-Gruppe nach 26 Wochen gesunken.

Fazit

Das Ergebnis der Studie ist vielversprechend. Das klinische Setting, in welchem die ProbandInnen z.T. weiterhin ihre Schmerzmittel einnahmen, demonstriert einen integrativen Ansatz. Insofern sollten Akupunktur oder Massage keinesfalls Medikamente ersetzen – sie könnten aber dazu beitragen, den Bedarf an diesen und damit mögliche unerwünschte Effekte zu reduzieren.

Eine Schwäche der Studie ist das Fehlen einer echten Kontroll-Gruppe, z.B. in Form eines Armes mit konventioneller Therapie allein. Hier wäre der Vergleich zur Akupunktur und Massage sehr interessant.

Quelle: Carstens Stiftung

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Verena Bastian

Verena Bastian ist staatliche geprüfte Heilpraktikerin seit 2014. Davor studierte Sie Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach mehrere Jahre in der Finanzabteilung eines großen Baustoffkonzerns. Durch eine Autoimmunerkrankung im Familienkreis kam sie 2008 zur Naturheilkunde und ist seit 2014 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Ihre Praxisschwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie von immunologischen Erkrankungen, Frauenheilkunde, Präventionsmedizin und Traumaintegration.

Eine intensive Ausbildungszeit und der ständige Drang nach Weiterbildung haben ihren Weg bis hierhin begleitet. Viele Seminare, Weiterbildungen und wundervolle Lehrer:innen ebneten den Weg für eine eigene Praxis.

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