Mikrobiom – Unterschiede bei vaginaler Geburt und Kaiserschnitt

Fehlt es Babys, die per Kaiserschnitt geboren werden, an wichtigen Mikroorganismen? Dieser Frage gingen Wissenschaftler in einer Studie nach. Sie berichten nun, dass Mütter Mikroorganismen auf verschiedenen Wegen auf ihre Babys übertragen. Auch wenn Kaiserschnitt-Babys während der Geburt weniger Darmmikroben ihrer Mutter erhalten, gleichen sie dies aus, indem sie die mütterlichen Mikroben über die Muttermilch aufnehmen.

Mikrobiom & Transfer auf Säuglinge

Ziel der Studie war nach Angabe der Forschenden, eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, wie sich das Mikrobiom von Säuglingen in den verschiedenen Teilen ihres Körpers entwickelt und wie es durch Faktoren wie Geburtsmodus, Antibiotikagebrauch und fehlendes Stillen beeinflusst wird. Die Studie trage vor allem zur Klärung der Frage bei, wie Säuglinge, die vor der Geburt im Allgemeinen als steril gelten, die für ihr Mikrobiom wichtigen Mikroorganismen erhalten. Dazu verglichen die Wissenschaftler den Mikrobiomtransfer von vaginal entbundenen und nach einem Kaiserschnitt geborenen Säuglingen miteinander.

Für ihre Studie rekrutierte das Team 120 niederländische Mutter-Kind-Paare und entnahm ihnen wiederholt Proben. Den Babys wurden zwei Stunden nach der Geburt sowie im Alter von einem Tag, einer Woche, zwei Wochen und einem Monat Haut-, Nasen-, Speichel- und Darm-Mikrobiomproben entnommen und auf ihre mikrobielle Zusammensetzung untersucht. Mittels eines speziellen Algorithmus wurde ermittelt, woher die Mikroben der Kinder kommen.

Außerdem wurden auch bei den Müttern sechs verschiedene Arten von Mikrobiomproben aus der Haut, Muttermilch, Nase, Rachen, Fäkalien und Vagina entnommen, um festzustellen, woher die unterschiedlichen Mikrobiome der Babys stammen. Anschließend analysierten die Wissenschaftler diese Ergebnisse im Zusammenhang mit verschiedenen Faktoren, von denen man annimmt, dass sie sich auf den Mikrobiomtransfer auswirken, darunter die Art der Entbindung, die Verwendung von Antibiotika und das Stillen.

Mikrobiom von Neugeborenen stammt fast zu 60 % von  der Mutter

Die Forschenden beobachteten, dass unabhängig vom Geburtsweg etwa 58,5 Prozent des Mikrobioms eines Babys von seiner Mutter stammt. Damit bestätigt die Studie die Vermutung, dass der Mikrobiomtransfer zumeist von der Mutter auf das Kind erfolgt. Die meisten Mikroorganismen stammten von der Muttermilch (31,6 %), gefolgt von mütterlicher Haut (25,7 %), Speichel (18,6 %) und Nasopharynx (9,4 %). Mikroben aus Fäkalien (4,1 %) sowie der Vagina (3,5 %) waren deutlich seltener. Es zeigte sich auch, dass Kaiserschnitt-Babys weniger Mikroorganismen aus dem vaginalen und fäkalen Mikrobiom ihrer Mutter erhielten, dafür wurden mehr Mikroorganismen aus der Muttermilch übertragen. Damit wird das ohnehin für die kindliche Entwicklung wichtige Stillen noch bedeutsamer für Kinder, die per Kaiserschnitt geboren wurden und keine Darm- und Vaginalmikroben von ihrer Mutter erhalten.

Allerdings waren nach einem Monat in der Studie kaum noch Unterschiede zwischen den Mikrobiomen von vaginal und per Kaiserschnitt entbundenen Kindern zu erkennen.

Mikroboim  – weitere Einflüsse

Nun möchte das Forscherteam mehr über die nicht-mütterlichen Einflüsse auf die Entwicklung des kindlichen Mikrobioms erfahren. Die Studie habe gezeigt, dass das mütterliche Mikrobiom fast 60 Prozent des gesamten Mikrobioms des Säuglings erklärt, aber es gebe immer noch 40 Prozent, über die nichts bekannt sei. Es wäre interessant, diesen unbekannten Anteil zu entschlüsseln, um herauszufinden, ob zum Beispiel die Väter, Geschwister oder die Umwelt dazu beitragen.

Originalpublikation

Bogaert D, van Beveren GJ, de Koff EM, Lusarreta Parga P, Balcazar Lopez CE, Koppensteiner L, Clerc M, Hasrat R, Arp K, Chu MLJN, de Groot PCM, Sanders EAM, van Houten MA, de Steenhuijsen Piters WAA. Mother-to-infant microbiota transmission and infant microbiota development across multiple body sites.

Cell Host Microbe. 2023 Mar 8; 31(3): 447-460.e6. doi: 10.1016/j.chom.2023.01.018. PMID: 36893737.

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Verena Bastian

Verena Bastian ist staatliche geprüfte Heilpraktikerin seit 2014. Davor studierte Sie Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach mehrere Jahre in der Finanzabteilung eines großen Baustoffkonzerns. Durch eine Autoimmunerkrankung im Familienkreis kam sie 2008 zur Naturheilkunde und ist seit 2014 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Ihre Praxisschwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie von immunologischen Erkrankungen, Frauenheilkunde, Präventionsmedizin und Traumaintegration.

Eine intensive Ausbildungszeit und der ständige Drang nach Weiterbildung haben ihren Weg bis hierhin begleitet. Viele Seminare, Weiterbildungen und wundervolle Lehrer:innen ebneten den Weg für eine eigene Praxis.

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