PCOS – Polyzystisches Ovarialsyndrom

Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) ist mit einer Prävalenz von bis zu 10 % eine der häufigsten hormonellen Störungen bei fertilen Frauen. Klinische Charakteristika sind Hyperandrogenismus, der sich äußerlich durch Hirsutismus, Akne oder androgenetische Alopezie bemerkbar macht. Hinzu kommen eine chronische Anovulation, die mit einer verlängerten Zyklusdauer und unerfülltem Kinderwunsch einhergeht. Die Namensgebung des Syndroms erfolgte nach dem sonografisch oder laparoskopisch darstellbaren polyzystischen Aspekt der Ovarien. Eine äußerlich vermännlichte Erscheinung führt bei betroffenen Frauen meist zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität.

Erhöhte Testosteron- und Androstendionwerte und nicht selten ein erhöhter Wert von Dehydroepiandrostendionsulfat (DHEAS) sind biochemische Marker bei PCOS. Bei mehr als 60 Prozent der Patientinnen ist der LH-Spiegel deutlich höher als der FSH-Spiegel. Folge ist ein erhöhter LH/FSH-Spiegel. Dieser bewirkt die gesteigerte Androgensynthese.

Obwohl die Erkrankung lange bekannt ist, sind die genauen Ursachen des Polyzystischen Ovarialsyndroms bislang nicht geklärt. Jedoch weisen familiäre Häufungen unter anderem auf eine genetische Komponente hin.

Wie die frühere Bezeichnung des PCOS als „Diabetes bärtiger Frauen“ impliziert, ist das PCOS neben den o. g. klassischen Charakteristika zudem häufig mit einer Adipositas und Insulinresistenz verbunden. Letztere führt nicht nur zu einer aggravierten Hyperandrogenämie, sondern birgt auch das Risiko metabolischer Komplikationen. Hierzu gehört beispielweise die Entwicklung von Typ 2 Diabetes mellitus (T2DM) und Gestationsdiabetes. Darüber hinaus werden eine erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität diskutiert. Auch das häufigere Auftreten einer nicht alkoholischen Steatohepatitis (NASH) mit dem Risiko für eine NASH-Leberzirrhose und einem hepatozellulären Karzinom stehen zur Diskussion.

Minimaldiagnostik zur Diagnosestellung

PCOS-Definition:

Gemäß den Rotterdam-Kriterien von 2003 müssen zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sein:

1) Oligo- oder Anovulation

2) klinische und/oder biochemische Zeichen des Hyperandrogenismus

3) polyzystische Ovarien.

Therapieübersicht:
Die Therapie des PCOS ist individuell zu gestalten und sollte sich nach der vorrangigen Beschwerdesymptomatik richten.
Häufig ist eine Monotherapie nicht ausreichend.
Fazit

Das PCOS ist eine häufige hormonelle Störung fertiler Frauen. Die Diagnosestellung erfolgt über die 3 Definitionskriterien Hyperandrogenisms, Oligo-/Anovulation und PCO. Weiterhin ist der Ausschluss aller Differenzialdiagnosen erforderlich. Diese sind im Wesentlichen: Hypothyreose, Prolaktinom, adrenogenitale Syndrome bzw. deren nicht klassische Formen. Darüber hinaus sollte auch bei der Erstdiagnose bereits ein Augenmerk auf metabolische Langzeitfolgen wie eine Glukosetoleranzstörung und Dyslipoproteinämie gerichtet werden. Die medikamentöse Therapie richtet sich individuell nach dem vorliegenden Beschwerdebild. Somit reicht sie von der spezifischen Fertilitätstherapie über herkömmliche orale Kontrazeption (mit und ohne antiandrogen wirksames Gestagen), aber auch ggf. peripheren Androgenblockern bis hin zum Biguanid Metformin.

Quelle: Thieme – Gynäkologie & Geburtshilfe 2013
UPDATE 2018 – „International evidence-based guideline for assessment and management of polycystic ovary syndrome 2018“

Im Unterschied zu der früheren Version sind, neben den endokrinologischen und metabolischen Aspekten der Erkrankung, zusätzlich die psychologischen Aspekte wichtig. Die Diagnostik stellt in den verschiedenen Lebensphasen der Frau, Pubertät – reproduktive Phase – Menopause, eine besondere Herausforderung dar. Ein PCOS manifestiert sich häufig schon in der Adoleszenz. Oft wird es aber wegen der Überlappung zu normalen Befunden leicht übersehen.

Zur Diagnosestellung gelten weiterhin die 3 Rotterdam-Kriterien.

Das Ultraschallkriterium ist strenger (antrale Follikel: 20 versus früher 12). Die polyfollikuläre Ovarmorphologie (PCOM) sollte gemäss „guideline“ neu bis acht Jahre nach Menarche nicht diagnostisch verwertet werden. Ausserdem kann neu bei Patientinnen mit irregulärem Zyklus und Hyperandrogenismus auf die Ultraschalldiagnostik verzichtet werden. Das Therapiekonzept sollte nicht nur symptomorientiert sein, sondern ein umfassendes interdisziplinäres Management mit folgenden weiteren Zielen verfolgen: Verringerung der kardiovaskulären Risiken, Lifestyle-Interventionen, Prophylaxe der Endometriumhyperplasie, Verbesserung von psychischen Beschwerden, Ovulationsinduktion bei Kinderwunsch. Darüber hinaus sind neue First-line-Medikamente verfügbar. Die Beratung der Patientin sollte ein essenzieller Schritt bei der Behandlung sein, um schwere gesundheitliche Folgen möglichst zu minimieren. Die Richtlinien wurden am ESHRE-Kongress 2018 in Barcelona präsentiert und sind auf der ESHRE-Website einzusehen.

Verena Bastian

Verena Bastian

Verena Bastian ist staatliche geprüfte Heilpraktikerin seit 2014. Davor studierte Sie Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach mehrere Jahre in der Finanzabteilung eines großen Baustoffkonzerns. Durch eine Autoimmunerkrankung im Familienkreis kam sie mit 2008 zur Naturheilkunde und ist seit 2014 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Ihre Praxisschwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie von immunologischen Erkrankungen, Frauenheilkunde, Präventionsmedizin und Traumaintegration.

Eine intensive Ausbildungszeit und der ständige Drang nach Weiterbildung haben ihren Weg bis hierhin begleitet. Viele Seminare, Weiterbildungen und wundervolle Lehrer:innen ebneten den Weg für eine eigene Praxis.

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