Tinnitus – ein Fall für Ginkgo

Ginkgo ist die häufigste beim Tinnitus angewandte Heilpflanze. Dank seiner Wirkung dürften sich geschädigte Nervenzellen schneller regenerieren.

Rund 10 Millionen Deutsche leiden an Ohrgeräuschen: Sie hören pfeifende, rauschende oder klingelnde Geräusche, die nicht mit einer tatsächlichen Geräuschquelle im Außen in Verbindung gebracht werden können. Von einem Tinnitus sprechen Mediziner, wenn die Ohrgeräusche lange anhalten, häufig wiederkehren und die Betroffenen belasten.

Die Ursachen können verschieden sein, so zum Beispiel Lärmbelastung, Stress und eine chronische Entzündung des Mittelohrs. Oft kann begleitend auch eine Hörminderung auftreten. Besteht ein Tinnitus länger als 3 Monate, spricht man vom chronischen Tinnitus. Dieser kann die Lebensqualität stark einschränken, weshalb Betroffene meist eine Vielzahl von Therapien ausprobieren. Unter den möglichen Optionen befindet sich auch eine Heilpflanze: Der Ginkgo (Ginkgo biloba).

Tinnitus -wie der Ginkgo  helfen kann

Studien zufolge verbessert Ginkgo die Durchblutung im Innenohr und fördert die Regeneration der kleinsten Blutgefäße, wenn diese zum Beispiel durch Entzündung, Alterungsprozesse oder hohe Blutfettwerte geschädigt wurden.

Für die durchblutungsfördernde Wirkung wird die hohe Konzentration an Flavonoiden und Terpenoiden der Ginkgo-Blätter verantwortlich gemacht. Die verstärkte Durchblutung soll die Regeneration von Nervenzellen fördern, wenn deren Schädigung zu Ohrgeräuschen führte. Eine Tierstudie legt zum Beispiel nahe, dass die Ginkgo-Wirkstoffe schützende Wirkung auf die Nervenzellen des Ohres haben, wenn zum Beispiel Lärmbelastung zu Tinnitus und Hörminderung führte.

Tinnitus-Leitlinie & Gingko

Verschiedene medizinische Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde erstellten gemeinsam die „S3-Leitlinie Chronischer Tinnitus“, die 2026 in einer neuen Fassung erscheinen wird. Die aktuelle Version von 2021 gibt Patient*innen und Ärzt*innen eine Übersicht über die aktuellen evidenzbasierten Behandlungsmöglichkeiten des Tinnitus.

Auch Ginkgo wird in der Leitlinie umfassend besprochen, da zu dieser Pflanze viele klinische Studien vorliegen. Deren Qualität ist nach Meinung der Leitlinienautoren jedoch nicht einheitlich: Ältere Studien konnten zwar eine Überlegenheit von Ginkgo gegenüber einem Placebo bei Tinnitus feststellen. Andere Studien und deren Auswertungen zeigten hingegen keinen Nutzen von Ginkgo bei Tinnitus. Eine neuere Analyse der Studiendaten legt nahe, dass sich der Tinnitus unter der Behandlung mit Ginkgo vor allem bei Menschen mit Demenz bessert. Die Leitlinienautoren sprechen keine Empfehlung für Ginkgo bei chronischem Tinnitus aus, da sie die Datenlage als unzureichend und inkonsistent bewerten.

Trotz dieser Einschätzung sprechen sich die offiziellen Heilpflanzen-Monografien für einen Einsatz von Ginkgo bei Tinnitus aus. Das HMPC befürwortet die Anwendung von Ginkgo-Extrakten zwar nur bei altersbedingten kognitiven Einschränkungen und zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen. ESCOP und Kommission E hingegen führen als mögliche Indikationen neben leichtem bis mittelschwerem demenziellem Syndrom, vaskulärer Demenz, hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen noch neurosensorische Störungen wie Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Tinnitus auf.

Tinnitus – Ginkgo richtig anwenden

Für die Behandlung des Tinnitus stehen verschiedene Arzneimittel mit meist 120 mg Ginkgo-Extrakt zur Verfügung. Diese Arzneimittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, ihre Einnahme sollte jedoch nicht in Eigenregie, sondern nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Dieser kann dann klären, ob die Dosis von 120 mg Ginkgo-Extrakt ein- oder zweimal täglich einzunehmen ist. Die Anwendung von Ginkgo bei Tinnitus sollte bisherigen Erfahrungen zufolge mindestens 12 Wochen lang erfolgen, um den möglichen Nutzen der Arzneipflanze richtig einschätzen zu können.

Unerwünschte Wirkungen und Kontraindikationen

  • Bei der Einnahme von Ginkgo können sehr selten leichte Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder allergische Hautreaktionen auftreten. In diesen Fällen ist die Einnahme zu pausieren und Rücksprache mit dem Arzt zu halten.
  • Bei Langzeitanwendung von Ginkgo-Präparaten kam es in Einzelfälle zu Blutungen. Es ist nicht sicher, ob die Präparate dafür verantwortlich sind. Sicherheitshalber ist von einer gleichzeitigen Einnahme von Ginkgo und Arzneimitteln, die die Blutgerinnung hemmen, abzuraten.
  • Während Schwangerschaft und Stillzeit soll Ginkgo nicht angewandt werden.

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Verena Bastian

Verena Bastian ist staatliche geprüfte Heilpraktikerin seit 2014. Davor studierte Sie Betriebswirtschaftslehre und arbeitete danach mehrere Jahre in der Finanzabteilung eines großen Baustoffkonzerns. Durch eine Autoimmunerkrankung im Familienkreis kam sie 2008 zur Naturheilkunde und ist seit 2014 als Heilpraktikerin in eigener Praxis tätig. Ihre Praxisschwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie von immunologischen Erkrankungen, Frauenheilkunde, Präventionsmedizin und Traumaintegration.

Eine intensive Ausbildungszeit und der ständige Drang nach Weiterbildung haben ihren Weg bis hierhin begleitet. Viele Seminare, Weiterbildungen und wundervolle Lehrer:innen ebneten den Weg für eine eigene Praxis.

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